Lateinamerikastudien


Interkultureller Kontakt

Lateinamerika ist in gewisser Weise der geradezu „klassische“ Kontinent des interkulturellen Kontakts. Historisch lassen sich vor allem drei große Kulturkontaktzonen unterscheiden, die zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlicher Weise prägend werden.

Schon im 16. Jahrhundert beginnt der Einfluss „schwarzer“ Kulturen durch die Verschleppung von Sklaven aus Afrika, vor allem in die Karibik. In diesem Zusammenhang ist vor allem die ökonomische Form der Plantage und der so genannten Plantagengesellschaft prägend (am prototypischsten in der Zuckerrohrkultur als einem höchst arbeitsintensiven und extrem profitbringenden Produkt, das in kürzester Zeit unter harten Bedingungen verarbeitet werden muss, bevor es verdirbt und wertlos wird); partiell kommt die Arbeit in Bergwerkszonen hinzu. Die Kontaktzone Schwarz vs. Weiß, koloniale Kultur liegt daher vor allem in der Karibik (exemplarisch Kuba), aber auch (in kleinerem Maße) in Peru und Kolumbien.

Dieser Gesichtspunkt ethnisch geprägten Kulturkontakts skizziert nur ein bereits oberflächlich erkennbares Phänomen kultureller Analyse. Der „afrocubanismo“ der zwanziger bis vierziger Jahre in der Literatur mit verspäteten Ausläufern in der Musik bis heute, der „indigenismo“ in den Andenländern, der italienische Einfluss auf das Theater und den Film Argentiniens und Uruguays sind nur einige Phänomene, die sich aus der Konstellation ergeben.

 

Lateinamerikastudien

Interkulturelle Lateinamerikastudien müssen daher u.a. intensiv nach der Frage des „eigenen“ kulturellen Anteils bzw. der Übernahme und Adaptation europäischer und anderer Modelle fragen (spezifische kulturelle Identität, zusätzlich in der Ausprägung nationalstaatlicher versus kontinentaler Ausprägung: „mexicanidad“ oder „argentinidad“ versus „latinoamericanidad“). Dies wird in unterschiedlichen Analysefeldern zu lernen und zu lehren sein, von den Chronikliteraturen des 16. Jahrhunderts („Zusammenstoß“ von Kulturen) bis hin zu den zeitgenössischen Auseinandersetzungen mit kulturellen, ethnischen und sprachlichen Differenzen.

 

Konzept und Studieninhalte

Den Lateinamerikastudien liegt ein kulturwissenschaftliches und kulturhistorisches Konzept zugrunde, das globale Veränderungsprozesse im wissenschaftlichen und außerwissenschaftlichen Bereich berücksichtigt. Arbeitsgrundlage einer Auseinandersetzung mit dem spanischsprachigen Kulturraum sind vor allem Texte. Im umfassenden Sinn bedeutet dies nicht nur klassische Textsorten wie Verfassungstexte, historische Darstellungen, journalistische Artikel etc., sondern auch literarische Werke, Bildmaterial, Filme, Lieder, Werbung, Bauwerke, Karikaturen, symbolische Repräsentationen, Zeitverständnis und Zeitmessverfahren und Alltagsgegenstände wie Möbel, Kleidung oder Verkehrsmittel. Kultur wird als kollektiv hervorgebrachte und historisch geformte Lebenspraxis verstanden, die in den verschiedensten symbolischen und objektivierten Ausprägungen Ausdruck findet.

Das Studium soll methodisch-analytische Fähigkeiten vermitteln, die ein Verstehen der Kultur der Zielsprachenländer fördern und eine vertiefte Analyse historischer Prozesse sowie der politischen und gesellschaftlichen Problemlagen der Gegenwart ermöglichen. Mit Ausnahme des einführenden Seminars (Basismodul) sind die seminaristischen Lehrveranstaltungen an engeren Einzelthemen orientiert und greifen kulturgeschichtliche Sachverhalte exemplarisch auf. Im Zusammenhang mit der Erarbeitung inhaltlicher Fragen erfolgt die Thematisierung unterschiedlicher Theorien und Methoden der Kulturstudien.

 

Bachelor

Die Bachelor-Module dienen dem Grundlagenerwerb des Wissens in Kulturtheorie, Kulturgeschichte und Gegenwartsfragen. Hauptaugenmerk liegt auf der Analyse exemplarisch historischer Gegenstände und aktueller Entwicklungen unter besonderer Beachtung von Wahrnehmungsmustern. Betrachtet werden sprachliche, mediale und räumliche Kommunikationsformen, die Art und Weise, wie Ereignisse und Erfahrungen Eingang in das kollektive Gedächtnis finden, und die Entstehung mentaler Dispositionen (z.B. Selbst- und Fremdbilder, Stereotype).

Die Module in den Lateinamerikastudien zielen vor allem auf

  1. Erweiterte exemplarische Kenntnisse kulturgeschichtlicher Entwicklungen in Latein- (Mittel- und Süd-) Amerika, Spanien (fallweise auch Brasilien/Portugal) und anderen spanisch-sprachigen Räumen.
  2. Erfassen von Kontinuitäten und Diskontinuitäten einzelner Problemstellungen im internationalen und im Epochenvergleich.
  3. Erwerb von Orientierungswissen über die politischen und sozialen Strukturen und Denkweisen lateinamerikanischer Kulturen und Gesellschaften der Gegenwart in interkultureller Perspektive.
  4. Vertiefende exemplarische Auseinandersetzungen mit Gegenständen, Fragestellungen, Theorien und Methoden lateinamerikanischer Geschichte und Kultur.
  5. Betrachtung der Konstruktion von Geschlecht, Ethnizität und Nationalität in synchroner und diachroner interkultureller Perspektive.
  6. Vermittlung exemplarischer Kenntnisse über ausgewählte Phänomene der Gegenwartsgesellschaft.
  7. Interkulturelle Erforschung von Erinnerungsräumen als Bestandteile des Inhalts- und Zeichenrepertoires für die Selbst- und Fremdrepräsentationen in lateinamerikanischen Kulturen.
  8. Aktuelle Literatur- und Sprachkulturdebatten des lateinamerikanischen Kulturraums in ihren transkulturellen Vernetzungen und historischen Zusammenhängen.

In der folgenden Tabelle wird ein beispielhafter Studienablauf mit Lateinamerikastudien im 2. Wahlbereich vorgestellt. Es gilt zu beachten, dass Module grundsätzlich modular aufgebaut sind und deswegen auch in anderen als hier abgebildeten Semestern belegt werden können. Einschränkungen betreffen hierbei die Sprachpraxis-Module, welche teilweise aufeinander aufbauen und in denen höhere Sprachniveaus vorangegangene Niveaus erfordern. Ebenso gilt es zu beachten, dass die Mehrheit der Module entweder im Winter- oder im Sommersemester angeboten wird. Deshalb sind Module, die für das Wintersemester konzipiert sind, im 3. Semester belegbar, aber nicht im 2. oder im 4. Es obliegt den Studierenden hier darauf zu achten, dass Module in den Semestern belegt werden, in denen diese auch angeboten werden. Weitere Informationen entnehmen Studierende und Studienbewerberinnen und Studienbewerber bitte den Dokumenten unter dem Reiter Downloads.

 

Master

Die Master-Module dienen der Vertiefung des Wissens in Kulturtheorie, Kulturgeschichte und Gegenwartsfragen. Hauptaugenmerk liegt auf der Analyse exemplarisch historischer Gegenstände und aktueller Entwicklungen unter besonderer Beachtung von Wahrnehmungsmustern. Betrachtet werden sprachliche, textuelle und symbolische Kommunikationsformen, die Art und Weise, wie Ereignisse und Erfahrungen Eingang in das kollektive Gedächtnis (M. Halbwachs) finden und die Entstehung mentaler Dispositionen (z.B. Selbst- und Fremdbilder, Stereotype). Zudem bilden postkoloniale und postmoderne Theorien, Dissens-Kulturen und ökologische Ansätze Ausgangspunkte für kulturwissenschaftliche Untersuchungen.

Die Module in den Lateinamerikastudien zielen vor allem auf

  1. Erwerb vertiefter exemplarischer Kenntnisse kulturgeschichtlicher Entwicklungen in Latein- (Mittel- und Süd-) Amerika, Spanien (fallweise auch Brasilien/Portugal) und anderen spanisch-sprachigen Räumen.
  2. Erfassen von Kontinuitäten und Diskontinuitäten einzelner Problemstellungen im internationalen und Epochenvergleich.
  3. Erweiterte Kenntnisse über die nationalen, politischen und sozialen Traditionen und Denkweisen ausgewählter lateinamerikanischer Kulturen und Gesellschaften in interkultureller Perspektive.
  4. Vertiefte Kenntnisse zu transnationalen kulturellen Verflechtungen.
  5. Vertiefte Kenntnis institutioneller, politischer und soziokultureller Kontexte von lateinamerikanischen Medienlandschaften in Vergangenheit und Gegenwart.
  6. Vertiefte Kenntnis zentraler Bestandteile des Inhalts- und Zeichenrepertoires, die in lateinamerikanischen Kulturen als Selbstzuschreibung und/oder als Fremdbilder zirkulieren.
  7. Vertiefte Kenntnis der Verknüpfungen spezifischer Kulturräume inklusive deren kultureller Praktiken und institutionellen Strukturen.

In der folgenden Tabelle wird ein beispielhafter Studienablauf mit Lateinamerikastudien im Masterstudium vorgestellt. Es gilt zu beachten, dass Module grundsätzlich modular aufgebaut sind und deswegen auch in anderen als hier abgebildeten Semestern belegt werden können. Einschränkungen betreffen hierbei die Sprachpraxis-Module, welche teilweise aufeinander aufbauen und in denen höhere Sprachniveaus vorangegangene Niveaus erfordern. Ebenso gilt es zu beachten, dass die Mehrheit der Module entweder im Winter- oder im Sommersemester angeboten wird. Deshalb sind Module, die für das Wintersemester konzipiert sind, im 3. Semester belegbar, aber nicht im 2. oder im 4. Es obliegt den Studierenden hier darauf zu achten, dass Module in den Semestern belegt werden, in denen diese auch angeboten werden. Weitere Informationen entnehmen Studierende und Studienbewerberinnen und Studienbewerber bitte den Dokumenten unter dem Reiter Downloads.

Es wird empfohlen, das Vertiefungsmodul 2 entweder im 1. oder im 2. Semester zu belegen.

Es wird empfohlen, das Vertiefungsmodul Kulturwissenschaft 2 entweder im 1. oder im 2. Semester zu belegen

Von den Vertiefungsmodulen 1-3 muss nur eines bestanden werden. Weiterhin wird empfohlen, das Modul Kulturwissenschaft 2 entweder im 1. oder im 2. Semester zu belegen.

 

Auslandsaufenthalt 

Ein Auslandsaufenthalt in einem spanischsprachigen Land wird im Rahmen der Lateinamerikastudien dringend empfohlen, z.B. in Form eines Praktikums oder eines Auslandsstudiums. Es bestehen Kontakte und Verträge zu verschiedenen Universitäten in Lateinamerika. Diese ermöglichen und erleichtern Hispanistik-Studierenden aus Halle Studienaufenthalte an den folgenden Universitäten:

Universidad de La Plata (Argentinien)
Universidad de Lima (Peru)
Universidad de La Habana (Kuba)
Universidad Nacional de Colombia (Bogotà, Kolumbien)
Universidad del Atlántico (Barranquilla, Kolumbien)
Universidad de Cuenca (Ecuador)

Nähere Informationen erhalten Sie bei PD Dr. Steve Pagel (Argentinien), Daniel Santana Jügler (Kuba), Vertretungsprofessorin Dr. Jenny Haase (Ecuador, Kolumbien und Peru).